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Zahntechnikerinnen und Zahntechniker: die Ausbildung für Perfektionisten

Ist die Arbeit gut gemacht, fällt sie niemandem auf? Dieses Sprichwort trifft nur zum Teil auf die Arbeit von Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern zu.

Da eine fertige Prothese oder eine Brücke nicht selten vom behandelnden Zahnarzt bzw. der Zahnärztin an die Patientinnen und Patienten weitergegeben wird, ist der Beruf der Zahntechniker und Zahntechnikerinnen in der Bevölkerung nicht so bekannt. Nichtsdestotrotz leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Zahngesundheit – nicht nur über den hergestellten Zahnersatz, sondern auch über zahn- und kieferregulierende Geräte, wie z. B. Knirscherschienen.

Guter Zahnersatz, der im Alltag funktional ist und sich gleichzeitig ästhetisch in das Gebiss einfügt, ist von unschätzbarem Wert für Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten. Denn oft ist nicht (nur) der Wunsch nach einem strahlenden Lächeln der ausschlaggebende Grund für eine aufwändige und kostspielige Prothese, sondern auch das Gleichgewicht der Zähne in der Mundhöhle. So brauchen zum Beispiel die Backenzähne im Mund einen "Gegenspieler" zum Zermahlen der Speisen. Sonst werden sie immer länger und können im Extremfall aus dem Gebiss herausfallen. Gleichzeitig haben die benachbarten Backenzähne im gleichen Quadranten die Eigenschaft, in die Lücke „hereinzufallen“ und so weitere Probleme im Kiefer zu verursachen.

In der Ausbildung lernen die angehenden Zahntechniker und Zahntechnikerinnen, wie die hohen Anforderungen an einen Zahnersatz hinsichtlich ihrer Ästhetik, Phonetik und Kaufunktion umgesetzt werden. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit den Unterschieden zwischen festsitzendem und herausnehmbaren Zahnersatz. Unter den Bereich des festsitzenden Zahnersatzes fallen unter anderem Brücken, Implantate oder Kronen, welche im Kiefer verankert werden und einen oder mehrere Zähne ersetzen. Im Gegensatz dazu steht der herausnehmbare Zahnersatz. Damit sind die verschiedenen Prothesen gemeint, die

Nicht immer verlieren Menschen Zähne aufgrund von Alter oder mangelnder Mundhygiene. Unfälle, wie im Verkehr oder im Sport, können ebenso gut der Grund für den Verlust von einem oder mehrerer Zähne sein. Bei komplizierteren Aufträgen, wo zum Beispiel der Kiefer eines Patienten bzw. einer Patientin in Mitleidenschaft gezogen wurde und zunächst der Knochen gerichtet werden muss, arbeiten Zahntechniker und Zahntechnikerinnen eng mit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie zusammen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Der Einsatz eines Implantats kann so bis zu einem Jahr dauern, da der Kiefer zunächst vollständig ausheilen muss.

Gleichzeitig sind Zahntechnikerinnen und Zahntechniker keineswegs nur für Prothesen zuständig: kiefer- und gebissregulierende Geräte, wie z. B. Knirscherschienen oder Zahnspangen, gehören ebenfalls in ihr Fachgebiet.

Zahntechniker in Ausbildung: Kunst und Handwerk

Die Zähne sind ein wichtiger Teil des menschlichen Organismus, der für die Gesundheit eine große Rolle spielt. Dementsprechend sorgfältig und genau müssen Zahntechniker und Zahntechnikerinnen arbeiten, damit die Prothesen den Ansprüchen der Patientinnen und Patienten wie auch der Zahnarztpraxis gerecht werden. Immerhin ist jeder Zahnersatz ein Unikat.

Ein gutes Auge und geschickte Hände sind also unerlässlich für die Ausbildung zum Zahntechniker bzw. zur Zahntechnikerin. Darüber hinaus werden sie in der Ausbildung ein solides Verständnis von chemischen Werkstoffen und Verbindungen, insbesondere Kunststoff, Metall und Keramik entwickeln. Konzentriertes Arbeiten und ein selbstbewusster Umgang mit technischen Geräten sind ebenfalls wichtig für den späteren Einstieg in den Beruf.

Die Ausbildung zum Zahntechniker bzw. zur Zahntechnikerin nimmt dreieinhalb Jahre in Anspruch, kann bei guten Leistungen oder besonderen Umständen aber auf drei Jahre verkürzt werden. Theorie und Praxis ergänzen sich durch Unterricht in der Berufsschule und Arbeit in einem gewerblichen Zahnlabor, welches ihre Azubis an alle Bereiche der Zahntechnik heranführen kann. Praxiseigene Labore müssen sich einer gesonderten Prüfung durch die Handwerkskammer unterziehen und sich ihre Eignung bestätigen lassen.

In der Berufsschule lernen die Azubis nicht nur fachspezifisches Wissen, sondern vertiefen auch ihre Allgemeinbildung. Die Ausbildungsinhalte sind in verschiedene Lernfelder aufgeteilt, wie die Regeln der Hygiene in einem Dentallabor, Arbeitsrecht oder betriebliche Abläufe.

Im ersten Jahr vermittelt die Berufsschule grundlegende Kenntnisse über die Bürokratie der Arbeitsunterlagen und den Aufbau, die Funktionsweisen und möglichen Erkrankungen des menschlichen Gebisses. Ebenso lernen die Azubis die Konzepte und Herstellungsprozesse sowie den Nutzen verschiedener Prothesen kennen. Dazu gehört auch der korrekte Einsatz verschiedener Werkstoffe und die umweltfreundliche Entsorgung der Materialien.

Im zweiten Jahr der Ausbildung stehen Simulatoren von Unterkieferbewegungen im Fokus. Gleichzeitig wird vermittelt, wie Beobachtungen und Ergebnisse der Arbeit mit besagten Simulatoren richtig gedeutet und ausgewertet werden. Ein weiteres spannendes Feld der Zahntechnik sind Rekonstruktionsmaßnahmen, die bei beschädigten Zähnen oder Zahnverlust angewandt werden können.

Mit dem Ende des zweiten Lehrjahres unterziehen sich die Azubis einer Zwischenprüfung.

Im dritten und vierten Lehrjahr werden Kenntnisse aus den ersten beiden Lehrjahren vertieft. Zusätzlich lernen die Azubis, mit weiteren Werkstoffen, wie Metallen, zahnfarbene Werkstoffen wie Keramik oder Kunststoffen, zu arbeiten. Zusätzlich zu den verschiedenen Zahnprothesen konstruieren sie auch einfache kieferorthopädische Apparaturen sowie Defektprothetik und Schienen. Mittlerweile haben die Azubis ein so umfassendes Wissen über Zahntechnik, dass sie die Qualität ihrer eigenen Arbeit beurteilen können.

Parallel zur Berufsschule findet die Ausbildung zum Zahntechniker bzw. zur Zahntechnikerin auch im Labor statt. Hier bekommen die Azubis einen ersten Einblick in den beruflichen Alltag und haben die Möglichkeit, Werkzeuge, Materialien, Methoden und Maschinen direkt in der Praxis kennenzulernen. Sie machen sich mit Arbeitsabläufen und der korrekten Dokumentation der selbigen vertraut und beschäftigen sich intensiv mit den verschiedenen Arbeitsschritten vom Abdruck bis hin zur fertigen Zahnprothese. Dazu kommen Themen wie zum Beispiel die Reinigung und Reparatur verschiedener Produkte und der Umgang mit Programmen und Softwares, die im beruflichen Alltag Anwendung finden.

Im Rahmen der Ausbildung zum Zahntechniker bzw. zur Zahntechnikerin können zusätzlich die Qualifikationen "Betriebsassistent/in im Handwerk" oder "Europaassistent/in" erworben werden. Als "Betriebsassistent/in im Handwerk" belegen die Azubis gesondert Kurse zu betriebswirtschaftlichen Themen wie Rechnungswesen oder Wirtschaftslehre. Die Zusatzqualifikation "Europaassistent/in" hingegen beinhaltet Lernfelder zum Thema Europarecht, eine zusätzliche Fremdsprache sowie ein mehrwöchiges Praktikum im Ausland.

Zahntechnik, und? - Spezialisierungen in Stellenangeboten

Nach der Ausbildung können die Zahntechniker und Zahntechnikerinnen als vollwertige Arbeitskräfte in den Beruf einsteigen und das erlernte Wissen der vergangenen Jahre über Teil- und Vollprothesen, Schienen und Zahnspangen im Beruf anwenden. Aber selbstverständlich gibt es auch hier die Möglichkeit, sich während oder nach der Ausbildung auf einen Teilbereich zu spezialisieren und so die Chancen bei der Jobsuche zu erhöhen

In Stellenanzeigen für Zahntechniker und Zahntechnikerinnen, die zwischen August 2019 und Juli 2020 veröffentlicht wurden, sind die nachfolgend aufgeführten Fachbereiche besonders gesucht. Die absoluten Zahlen zu den hier genannten Prozentsätzen finden sich in der Statistik.

Wie in vielen Branchen ändert sich auch die Arbeit der Zahntechnik durch die fortschreitende Digitalisierung und intelligente Computerprogramme. Computer Aided Design und Computer Aided Manufacturing (kurz: CAD - CAM) nimmt einen immer größeren Raum in der Herstellung verschiedener Prothesen, Schienen und Spangen ein. Dazu gehören zum Beispiel auch der festsitzende Zahnersatz, welcher nach einem Scan der Mundhöhle mit Hilfe eines 3D-Druckers erstellt wird. So können Kronen, Inlays und Brücken bis zum kleinsten Detail an den Mundraum des Patienten bzw. der Patientin angepasst werden. Dementsprechend hoch ist das Interesse der Arbeitgeber an Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern, die sicher mit den entsprechenden Softwares und Geräten umgehen können. Insgesamt suchten im vergangenen Jahr 31 Prozent der Stellenangebote nach Fachkräften mit dieser Spezialisierung.

Natürlich können sich Zahntechniker und Zahntechnikerinnen ebenfalls auf die Arbeit mit einem bestimmen Material, wie Keramik, Kunststoff oder Edelmetall, spezialisieren. Metalle und Legierungen werden oft für die Gerüste und Bügel von Voll- oder Teilprothesen oder auch Zahnspangen genutzt, während Kunststoff den Körper eines Zahnes bildet oder für die Nachbildung des Zahnfleisches verwendet wird. Keramik dient als Oberflächenbeschichtung und wird in Pulverform in verschiedenen Farben aufgetragen, damit sich die Zahnprothese auch visuell so gut wie möglich an das Gebiss des Patienten bzw. der Patientin anpasst. In den Stellenanzeigen liegen Keramik und Kunststoff als Spezialisierungen mit jeweils 29 Prozent gleichauf, während Edelmetall mit acht Prozent deutlich hinter den anderen beiden Werkstoffen zu finden ist.

Ein essentieller Bereich im Beruf der Zahntechniker und Zahntechnikerinnen ist die Arbeit mit Modellen. Der Modellguss als ein unerlässlicher Arbeitsschritt bei der Herstellung von Prothesen und Schienen wird in 12 Prozent der Stellenanzeigen als wünschenswertes Fachgebiet erwähnt.

Neben Werkstoffen und Methoden wird selbstverständlich auch nach Angestellten gesucht, die sich in der Zahntechniker-Ausbildung oder über berufliche Erfahrung für eine bestimmte Art Prothese und ihre Herstellungsweise spezialisieren. Aus diesem Grund sind Bereiche wie Kombitechnik, Teleskoptechnik, Riegeltechnik und Geschiebetechnik mit einem Anteil von zehn Prozent in den Stellenanzeigen vertreten.

Aber nicht nur Zahnarztpraxen und Dentallabore bieten Arbeitsplätze für Zahntechnikerinnen und Zahntechniker nach der Ausbildung: kieferorthopädische Praxen sind ebenfalls mit einem Anteil von acht Prozent in den Stellenangeboten vertreten. Der Fokus der Arbeit in einer kieferorthopädischen Praxis liegt selbstverständlich eher im Bereich der herausnehmbaren kieferorthopädischen Apparaturen.

Oft spezialisieren sich Zahntechnikerinnen und Zahntechniker in der Ausbildung auf ein bestimmtes Gebiet, beziehungsweise sie entdecken hier ihre Passion. Aber natürlich gibt es auch im späteren Berufsleben noch die Gelegenheit, sich über Erfahrung oder die Teilnahme an den entsprechenden Fort- und Weiterbildungen für die Stellen mit einem Fokus auf einen bestimmten Bereich zu qualifizieren.

Nach der Ausbildung: Zahntechniker und Zahntechnikerinnen auf dem Arbeitsmarkt

Nach der Ausbildung haben Zahntechniker und Zahntechnikerinnen verschiedene Möglichkeiten, in die Arbeitswelt einzusteigen. In manchen Fällen werden die Auszubildenden direkt nach der Gesellenprüfung von ihrem Betrieb übernommen. Andere bewerben sich auf ein Stellenangebot in einem zahntechnischen Labor, in dem Labor einer Zahnarztpraxis oder einer Zahnklinik. Zahntechnische Labore können wie Unternehmen mit verschiedene Abteilungen, die sich auf einen Aspekt der Zahntechnik spezialisiert haben, aufgebaut sein. Einige haben bis zu 150 Mitarbeitende an verschiedenen Standorten. Dagegen sind in den Dentallaboren einer Zahnarztpraxis oft nur wenige Menschen beschäftigt, welche den Patientenstamm der Praxis mit Prothesen, Brücken, Kronen, Inlays oder zahn- bzw. kieferregulierenden Geräten ausstatten.

Fort- und Weiterbildungen sind ein wichtiger Teil des Berufs, da sich Werkstoffe, Maschinen und Herstellungstechniken kontinuierlich weiterentwickeln. Um auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben und Patientinnen und Patienten die bestmögliche Arbeit anbieten zu können, ist eine kontinuierliche berufliche Weiterbildung unerlässlich. Gleichzeitig unterstützt die zusätzliche Qualifikation, z. B. für Keramik, CAD-CAM-Technologien oder Implantologie bei der Jobsuche und ermöglicht es den Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern, sich für eine höhere Zahl Stellenangebote zu qualifizieren.

Mit mehreren Jahren Erfahrung haben Zahntechniker und Zahntechnikerinnen die Möglichkeit, sich zum „Meister der Zahntechnik“ weiterbilden zu lassen. Mit einem Meisterbrief können sie selbstständig ein Dentallabor eröffnen und die Ausbildung für Zahntechniker und Zahntechnikerinnen anbieten. Gleichzeitig berechtigt der Meisterbrief zu einem Studium an einer Universität oder Hochschule. Interessante Studiengänge sind z. B. Dentaltechnologie oder Medizintechnik.