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Zahnmedizinische Fachangestellte: heller Kopf und helfende Hände

Zahnmedizinische Fachangestellte, wie der Beruf des Zahnarzthelfers/ der Zahnarzthelferin seit 2001 genannt wird, assistieren Zahnärzt/-innen bei der Behandlung ihrer Patienten und kümmern sich um die reibungslosen Arbeitsabläufe sowie die administrativen Aufgaben, die in einer Zahnarztpraxis anfallen. 

Ähnlich dem Beruf der Medizinischen Fachangestellten wird auch die Tätigkeit der Zahnmedizinischen Fachangestellten fast ausschließlich von Frauen ausgeübt. Einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge lag der Anteil der Frauen bei 98,1% im Jahre2017. Auch bei Schülerinnen ist Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten beliebt: Laut der Kammer liegt die Tätigkeit auf Platz sieben der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland.
Gleichzeitig stieg der Anteil der männlichen Bewerber und Absolventen seit 2000 mit gerade mal 50 Bewerbern kontinuierlich an und hatte sich bis 2017 auf knapp 250 Neuanfänger gesteigert.

Was machen Zahnmedizinische Fachangestellte?

Die Aufgaben der Zahnmedizinischen Fachangestellten teilen sich grob in zwei Bereiche: die Arbeit mit den Patienten und die Verwaltung und Organisation der Praxis.

Vor einer Behandlung bereiten die Zahnmedizinischen Fachangestellten die Räume vor und legen Instrumente sowie die meist digitale Akte des Patienten bereit. Sie empfangen und betreuen Patienten, führen Prophylaxemaßnahmen durch und leisten Aufklärungsarbeit über korrekte Mundhygiene, Behandlungsmöglichkeiten sowie kostenpflichtige Zusatzleistungen der Praxis. Während einer Behandlung assistieren die Zahnmedizinischen Fachangestellten den Zahnärzt/-innen, indem sie Instrumente anreichen, Füll- und Abformmaterialien bereitstellen, Röntgenaufnahmen durchführen und weiterverarbeiten und in Notfallsituationen Hilfe leisten. Nach einer Behandlung ist es die Aufgabe der Zahnmedizinischen Fachangestellten, die Räume wiederaufzubereiten und zu desinfizieren, die Behandlung zu dokumentieren und die Patientenakte auf den neuesten Stand zu bringen. 

Zu den organisatorisch-verwaltenden Aufgaben der Zahnmedizinischen Fachangestellten gehören neben der Koordination der Arbeitsabläufe und des Terminkalenders auch das Abrechnungswesen und die Erstellung von Heil- und Kostenplänen. Sie stehen in Kontakt mit Laboren, vergeben Aufträge für die Herstellung von Zahnersatz, versenden Unterlagen und erledigen den Schriftverkehr. Die Bestellung von Materialien sowie deren Annahme und Überprüfung fallen ebenfalls in ihren Zuständigkeitsbereich, genau wie die Wartung und Pflege der Instrumente und Geräte der Praxis.

Zahnmedizinische Fachangestellte sind außerdem zuständig für verschiedene Arbeiten im Labor. Sie gießen Gipsmodelle aus und trimmen diese nach vorher angefertigten Abformungen und stellen Provisorien und Schienen für die Patienten her.

Nicht zuletzt ist es die Aufgabe der Zahnmedizinischen Fachangestellten, die Qualität der Arbeit sowie die Einhaltung der Hygienestandards innerhalb der Praxis sicherzustellen. Darüber hinaus optimieren sie Arbeitsabläufe im Rahmen des Qualitätsmanagements und repräsentieren die Praxis nach außen.

Selbstverständlich ist die Gewichtung der Aufgaben abhängig von einer eventuellen Spezialisierung der Praxis und der Qualifizierung der Zahnmedizinischen Fachangestellten. Fachangestellte mit einer oder mehreren Aufstiegsfortbildungen werden vornehmlich im Bereich ihrer Expertise tätig sein, während allgemein ausgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte als Allrounder in vielen Teilbereichen einer Praxis beschäftigt sind.

Ausbildung: die Grundlage für den erfolgreichen Berufseinstieg.

Die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten dauert drei Jahre und ist dual im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule organisiert. In Deutschland wurden im Jahr 2019 etwa 8.600 Ausbildungsplätze angeboten. Mit dem allgemeinen Hochschulabschluss oder aber einer mit mindestens der Note gut absolvierten Zwischenprüfung besteht die Möglichkeit, die Ausbildung auf bis zu 2 Jahre zu verkürzen.

Bewerberinnen und Bewerber mit einem Mittleren Schulabschluss (Realschul- oder guter Hauptschulabschluss) bilden die größte Gruppe. Für eine erfolgreiche Bewerbung und die spätere Ausübung des Berufs sind geschickte Hände, Einfühlungsvermögen, Organisationstalent, Ordnungssinn und Sorgfalt unabdinglich. Darüber hinaus dürfen zukünftige Zahnmedizinische Fachangestellte keine Berührungsängste im Kontakt mit ihren Patienten haben.

Im Laufe der ersten beiden Ausbildungsjahre im Betrieb lernen die angehenden Zahnmedizinischen Fachangestellten zunächst die grundlegenden Abläufe, Funktionsbereiche, Organisation und Ausstattung einer Zahnarztpraxis kennen, ebenso wie die angemessene Arbeits- und Praxishygiene. Unerlässlich sind Kenntnisse über gesetzliche und vertragliche Regelungen der Zahnmedizin, über Verwaltungsaufgaben sowie die korrekte Abrechnung von Leistungen. Die Azubis beschäftigen sich im Ausbildungsbetrieb ebenfalls mit den Grundlagen der Prophylaxe sowie der Natur verschiedener Infektionserkrankungen. Sie werden auf Notfallsituationen vorbereitet und dürfen das erste Mal bei einer zahnärztlichen Behandlung assistieren.

Parallel zur betrieblichen Ausbildung ergänzt der schulische Unterricht das Wissen über Medizin und Verwaltung. Dazu gehört die allgemeine Orientierung im Gesundheitswesen ebenso wie die Begleitung einer Kariestherapie, einer endodontischen Behandlung oder eines chirurgischen Eingriffs. Die Azubis lernen, wie sie Praxisabläufe effizient organisieren, Patienten empfangen und begleiten und Waren beschaffen und verwalten. Auch in der Berufsschule gibt eine Einheit zur Organisation und Umsetzung der Praxishygiene.

Das dritte Jahr dient vor allem der Vertiefung vorher erworbenen Wissens. Zusätzlich beschäftigen sich die Auszubildenden in ihrem Betrieb mit den Kommunikations- und Informationssystemen, mit Datenschutz und dem Qualitäts- und Zeitmanagement der Praxis. Ebenfalls Teil der Verwaltungsarbeit ist die Beschaffung von Material sowie der Umgang mit dem Rechnungswesen. Im dritten Lehrjahr werden die angehenden Zahnmedizinischen Fachangestellten in die Arbeit mit einem Röntgengerät und den entsprechenden Maßnahmen zum Strahlenschutz herangeführt, im Betrieb wie auch in der Berufsschule.

Auf theoretischer Ebene beschäftigen sich die Azubis mit der Planung und Durchführung von Prophylaxemaßnahmen und der Begleitung von prothetischen Behandlungen. Zusätzlich werden Kenntnisse zu allgemeinen Erkrankungen der Mundhöhle und des Zahnhalteapparats mit ihren entsprechenden Therapien vermittelt.

Nach drei Jahren unterziehen sich die Azubis einer Abschlussprüfung, die ihr theoretisches und praktisches Wissen bescheinigt. Sie können nun von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen oder auf den Arbeitsmarkt entlassen werden.

Arbeitsplätze und Gehalt

Stellenangebote für Zahnmedizinische Fachangestellte finden sich vor allem in:

Zahnarztpraxen
Kieferorthopädischen, oral- und kieferchirurgischen Praxen
Zahnkliniken
Hochschulinstituten für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Gesundheitsämtern

Bundesweit wurden 2019 über 33.400 Stellen für Zahnmedizinische Fachangestellte ausgeschrieben.

Die Tätigkeit der Zahnmedizinischen Fachangestellten kann in Voll- und in Teilzeit ausgeübt werden, wobei der überwiegende Anteil dieser Stellen (etwa 31.400) nach einer Vollzeitkraft suchten. Die klassische 40-Stunden-Woche werktags ist in diesem Beruf üblich, die Arbeitszeiten orientieren sich aber auch an den Öffnungszeiten der Praxis. So sollte eine Bereitschaft zur gelegentlichen Arbeit am Wochenende bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten trotzdem gegeben sein, falls die Praxis regulär am Samstag geöffnet ist oder regelmäßig zahnärztlichen Notdienst am Sonntag anbietet.

Das Gehalt der Zahnmedizinischen Fachangestellten ist nicht tariflich festgelegt und daher zwischen Arbeitgeber und -nehmer frei verhandelbar. Die Zahnärztekammern bieten mit ihren Vergütungstarifverträgen eine Orientierung, wobei das Einstiegsgehalt bei durchschnittlich 2.000,- € brutto beginnt. Dazu kommen eventuell zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers, wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Zusätzlichen Qualifikationen, Berufserfahrung oder andere Faktoren nehmen selbstverständlich Einfluss auf das Gehalt.

Karrieremöglichkeiten für Zahnmedizinische Fachangestellte.

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung stehen den zahnärztlichen Fachangestellten verschiedenen Anpassungsfortbildungen offen:

die Kieferorthopädische Assistenz. Diese Fortbildung nimmt etwa 60 Stunden in Anspruch und bereitet die Teilnehmenden auf die Besonderheiten der Arbeit in einer kieferorthopädischen Praxis vor. Knapp 1.300 Stellenangebote fokussierten sich 2019 auf Zahnmedizinische Fachangestellte mit dieser Anpassungsfortbildung.

der Prophylaxe Basiskurs. Der Prophylaxe Basiskurs umfasst ebenfalls 60 Stunden Unterricht und vermittelt theoretische Kenntnisse zur Karies- und Parodontitisprävention. Dieser Kurs ist Voraussetzung für verschiedene Aufstiegsfortbildungen.

die Prothetische Assistenz. In 30 Unterrichtsstunden lernen die Teilnehmenden die Abformung, Herstellung und Entfernung von Provisorien. Dabei steht Materialkunde, Herstellungsverfahren sowie Arbeitssicherheit und Patientenschutz im Vordergrund.

Die berufliche Weiterbildung und Qualifizierung für neue Tätigkeitsfelder innerhalb des Berufs kann über verschiedene Aufstiegsfortbildungen erreicht werden. Zu den bekanntesten gehören:

Der Zahnmedizinischer Prophylaxeassistent. Auch diese Weiterbildung kann nach mindestens einem Jahr Berufserfahrung entweder in Vollzeit (ca. drei Monate) oder in Teilzeit (sechs bis sieben Monate) absolviert werden. Ein Prophylaxeassistent ist spezialisiert auf Karies- und Gingivitisprävention sowie auf professionelle Zahnreinigungen. Ebenso klären sie die Patienten über korrekte Zahnpflege auf. Zahnmedizinische Prophylaxeassistenten sind auf dem Arbeitsmarkt beliebt: mit knapp 2.300 Stellenangeboten mit Fokus auf diese Aufstiegsfortbildung führt sie die Statistik an.

Dentalhygieniker. Für diese Weiterbildung muss neben Berufserfahrung auch eine vorher absolvierte Weiterbildung zum Fach- oder Prophylaxeassistent nachgewiesen werden. Sie umfasst mindestens 800 Stunden und wird berufsbegleitend (ca. sechs Monate) oder in Teilzeit (ca. dreizehn Monate) angeboten. Alternativ zu der Weiterbildung bieten mehrere Universitäten mittlerweile Dentalhygiene als Bachelorstudium an.

Zahnmedizinischer Fachassistent. Die Vertiefung zur Standardausbildung: Hier wird neben einer abgeschlossenen Ausbildung und Berufserfahrung zusätzlich ein Erste-Hilfe-Kurs und ein Besuch verschiedener Lehrveranstaltungen (z. B. der Prophylaxe Basiskurs) verlangt. Die Weiterbildung enthält 700 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht und schließt mit einer Prüfung ab.

Zahnmedizinischer Verwaltungsassistent. Die ideale Weiterbildung für die Zahnmedizinischen Fachangestellten, welche sich eher für die betriebswirtschaftliche Organisation und die zahnärztliche Abrechnung interessieren. Die Fächer Personalmanagement, Rechtsgrundlagen und Praxismarketing finden in dieser Weiterbildung ebenfalls Anwendung. Diese Weiterbildung hat, je nach Bundesland, unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen und kann zwischen 4 und 18 Monaten in Anspruch nehmen.

Praxismanager. Für fundiertes betriebswirtschaftliches Führen und Organisieren einer Zahnarztpraxis ist dies die richtige Wahl. Alternativ sind hier auch die nicht schwerpunktmäßig zahnärztlich geprägten Weiterbildungen, zum Fach- oder Betriebswirt im Sozial und Gesundheitswesen interessant. Abrechnungskenntnisse werden hier nicht vermittelt. Diese Weiterbildungen haben, je nach Bundesland, unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen und können zwischen 6 und 18 Monaten in Anspruch nehmen.

Sowohl nach Fach- wie auch nach Verwaltungsassistenten wird in Stellenangeboten gezielt gesucht, im Jahr 2019 konzentrierten sich jeweils knapp 1.500 Anzeigen auf Bewerberinnen und Bewerber mit diesen Aufstiegsfortbildungen. 

Allgemein gesprochen ist der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten eine sichere, zukunftsorienterte Tätigkeit in einem interessanten Feld, welches sich durch neue, wissenschaftliche Erkenntnisse stetig weiterentwickelt. Gleichzeitig gestattet der Beruf eine gewisse Flexibilität in der Lebensplanung und ermöglicht über verschiedene Fortbildungen die berufliche Weiterentwicklung und Spezialisierungen auf ein bestimmtes Feld.

Gefragte Zusatzausbildungen in Jobangeboten
Jobangebote für Zahnmedizinische Angestellte