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Problemen auf den Zahn fühlen

Die Zahngesundheit einer Person ist nicht nur für das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität wichtig, sondern auch für die Gesundheit des gesamten Körpers relevant.

Probleme mit Zähnen, insbesondere bei einer Hinauszögerung der Behandlung, können weitreichende Folgen haben. Entzündungen in der Mundhöhle können mitverantwortlich sein für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder sogar Probleme während einer Schwangerschaft auslösen. Fehlstellungen des Kiefers oder Zähneknirschen können Verspannungen im Nacken und Rücken sowie Kopfschmerzen verursachen.

Darüber hinaus lassen sich unter Umständen auch bestimmte Erkrankungen, die mit den Zähnen und dem Mundraum nichts unmittelbar zu tun haben, am Zahnfleisch oder durch unerklärliche Zahnschmerzen erkennen – ein Beispiel sind Herzinfarkte.

Diese komplexen Zusammenhänge des Körpers sowie die große Verantwortung, die zahnärztliche Behandlungen mit sich bringen, sind der Grund, warum Zahnärzt/innen eine so lange und anspruchsvolle Ausbildung haben.

 

Elf Semester Studium und mehr

Der lange Weg zum approbierten Zahnarzt bzw. zur Zahnärztin beginnt mit der Bewerbung an einer der dreißig Universitäten in Deutschland, die Zahnmedizin als Studiengang anbieten.

Wie bei anderen medizinischen Studiengängen wird die Eignung nicht nur durch die Abiturnote oder, in manchen Fällen, bereits absolvierte Ausbildungen im Gesundheitswesen festgestellt: üblicherweise sind 20 Prozent der Studienplätze für Bewerber/innen mit Wartesemestern reserviert. Für einige Universitäten ist die Vorlage eines Tests für Medizinische Studiengänge (kurz: TMS) ein Kriterium für eine erfolgreiche Bewerbung.  Der Test prüft die Teilnehmenden auf ihren Umgang und ihre Lösungsansätze zu komplexen biologischen und medizinischen Problemen und stellt so ihre Eignung für die entsprechenden Studiengänge fest.

Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit des Quereinstiegs. Hierbei schreiben sich die Studierenden in einen fachverwandten Studiengang ein und belegen Fächer, die auch in einem zahnmedizinischen Studium anerkannt werden. Mit den Scheinen bewerben sie sich auf ein höheres Semester der Zahnmedizin. Dieser Weg ist unüblich und nicht sonderlich erfolgversprechend: Nicht nur müssen alle notwendigen Scheine gesammelt werden; bei der Bewerbung auf ein höheres Fachsemester ist auch eine Durchsetzung gegen die konkurrierenden Studienortwechsler und niedrigere Fachsemester erforderlich.

Das Studium der Zahnmedizin erstreckt sich über insgesamt zehn Semester und endet mit einem Staatsexamen, welches ein gesamtes elftes Semester in Anspruch nimmt. Mit Bestehen des Staatsexamens wird eine Approbation erteilt wird.

In der ersten Hälfte des Studiums, Vorklinik genannt, beschäftigen sich die Studierenden vornehmlich mit theoretischen Grundlagen aus Anatomie, Biologie, Physiologie und weiteren Fächern. So wird ein umfassendes Wissen zu Human- und Zahnmedizin erlangt. Zu diesen Grundlagen gehören auch die sogenannten Phantomkurse: Hier können die Studierenden sich in der Praxis üben und ihre ersten Behandlungen an Phantomköpfen durchführen.

Nach dem zweiten Semester legen die Studierenden ihre erste Prüfung, das sogenannte Vorphysikum, ab. Der nächste Meilenstein und gleichzeitige Abschluss der Vorklinik ist das Physikum (eine weitere Zwischenprüfung) nach dem fünften Semester, das sowohl aus einer theoretischen Prüfung wie auch einer praktischen Woche besteht.

Die zweite Hälfte des Studiums bietet den Studierenden mehr praktische Übungen und steigt gleichzeitig tiefer in die Materie ein, z. B. mit Kursen zu Zahnersatzkunde, Hygiene und Chirurgie. An diesem Punkt der Ausbildung dürfen die angehenden Zahnärzt/innen ihre ersten Behandlungen am Patienten durchführen.

Die finale Prüfung, das Staatsexamen, erstreckt sich über ein Semester und besteht aus verschiedenen Einzelprüfungen mündlicher und schriftlicher Natur wie auch einer längeren Beobachtungszeit bei der Arbeit an den Patient/innen. Bei diesen praktischen Prüfungen werden die Arbeitsabläufe und Kompetenzen der Prüflinge bei Kontrollen und Behandlungen bewertet.

 

Einstieg in den Beruf oder weiter qualifizieren?

Zahnärzt/innen arbeiten vor allem in niedergelassenen Praxen als (anteilige) Inhaber/innen oder in einem Angestelltenverhältnis. Darüber hinaus gibt es Stellenangebote in Kliniken, Zahnkliniken oder Behandlungszentren. Seltener sind Karrierewege, welche direkt in die Forschung oder in eine Gesundheitsbehörde führen.

Nach dem erfolgreich absolvierten Studium können die Zahnärzt/innen entweder direkt in den Beruf einsteigen oder sich weiteren Prüfungen unterziehen. Besteht Interesse, als Vertragszahnarzt bzw. -ärztin mit den gesetzlichen Krankenkassen zu arbeiten, schließt sich an das Staatsexamen eine zweijährige Assistenzzeit mit einer anschließenden Prüfung vor der Kassenzahnärztlichen Vereinigung an. Die Assistenzzeit kann auf Wunsch auch in Teilzeit mit einer entsprechenden Verlängerung auf bis zu vier Jahre abgehandelt werden.

Zahnärzt/innen ist es gestattet, sich auf einen oder mehrere Tätigkeitsschwerpunkte (z. B. Implantologie, Prothetik oder Kinderzahnheilkunde) zu spezialisieren und diese entsprechend auszuweisen. Hierfür müssen sie nachweislich mindestens zwei Jahre Erfahrungen im entsprechenden Bereich gesammelt und Fortbildungen belegt haben.

 

Prothetik, Parodontologie oder Prophylaxe?
Welche Weiterbildungen sich lohnen:

Abhängig von Karrierewünschen und Zukunftsvisionen der Zahnärzt/innen bieten sich ihnen diverse Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten mit verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlichem Aufwand:

Sollte nach dem Staatsexamen der Wunsch nach mehr wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit der Zahnmedizin bestehen, ist es möglich, einen aufbauenden Masterstudiengang zu belegen. Hier wird ein bestimmter Aspekt aus dem grundständigen Studium vertieft, wie z. B. Ästhetische Zahnmedizin, Prothetik, Kieferorthopädie oder Parodontologie.

Besteht Interesse, einen etwas kleineren und abgeschlosseneren Bereich der Zahnmedizin zu auszubauen, ist ein sog. Curriculum eine gute Wahl. Diese finden üblicherweise in Wochenendseminaren über einen Zeitraum von sechs bis achtzehn Monaten statt und bieten den Zahnärzt/innen die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in einem Teilbereich zu erweitern oder zu erschließen. Dazu gehören neben bekannten Spezialisierungen auch Nischen, wie z. B. Alterszahnmedizin, Akupunktur oder Sportzahnmedizin.

Darüber hinaus gibt es für Zahnärzt/innen auch die Möglichkeit, über eine vierjährige Ausbildung zum Fachzahnarzt, bzw. -ärztin ihr theoretisches wie auch praktisches Wissen und ihre Erfahrungen in einem Teilbereich der Zahnmedizin zu vertiefen.

Die Fachzahnarztausbildungen und –prüfungen werden regional von den Landeszahnärztekammern organisiert und abgenommen. Daher sind die Regelungen landesweit unübersichtlich und uneinheitlich, sodass beispielsweise das Teilgebiet der Parodontologie nur im Kreis Westfalen-Lippe als fachzahnärztliche Ausbildung angeboten wird. Lohnend ist diese Ausbildung auf jeden Fall: In Stellenanzeigen zwischen April 2019 und März 2020 waren Parodontolog/innen mit 42 Prozent die meistgesuchteste Spezialisierung. Andere fachzahnärztliche Ausbildungen sind Kieferorthopädie, Oralchirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und Fachzahnarzt bzw. -ärztin im Gesundheitswesen.

Jeder dieser Teilbereiche nimmt eine wichtige Stellung im Gesamtsystem der medizinischen Versorgung ein, trotzdem hängt die Anzahl der Stellenangebote von den Bedürfnissen der Bevölkerung ab. In Stellenangeboten für Zahnärzt/innen zwischen April 2019 und März 2020 ließen sich folgende Tendenzen erkennen:

Kieferorthopädie: Die Kieferorthopädie diagnostiziert und korrigiert Fehlstellungen des Kiefers und der Zähne. Je nach Fall muss eine Behandlung bereits im Neugeborenenalter durchgeführt werden, wie z. B. bei einer Gaumenspalte. Das übliche Alter für die Korrektur von Fehlstellungen mithilfe einer sogenannten Zahnspange ist zwischen zehn und sechzehn Jahren, aber selbstverständlich können auch im Erwachsenenalter noch ästhetische Zahnkorrekturen durchgeführt werden. Knapp ein Viertel der Stellenangebote (23 Prozent) suchte nach Zahnärzt/innen mit einer Spezialisierung auf Kieferorthopädie.

Parodontologie: Der Teilbereich der Parodontologie beschäftigt sich insbesondere mit Erkrankungen des Zahnhalteapparats (Kiefer, Zahnfleisch etc.). Diese fachzahnärztliche Weiterbildung wird nur in der Region Westfalen-Lippe angeboten, ist aber in ganz Deutschland anerkannt. Darüber hinaus sind Zahnärzt/innen mit Parodontologie als Tätigkeitsschwerpunkt eine der gesuchtesten Gruppen.

Oralchirurgie: Oralchirurg/innen behandeln schwerere Verletzungen und Erkrankungen der Zähne und des Kiefers, oft unter Vollnarkose. Dazu gehören neben dem Entfernen von Weisheitszähnen auch die Richtung von Kieferfrakturen oder der Einsatz von Implantaten. Insgesamt richteten sich 28 Prozent der Stellenangebote an Oralchirurg/innen.

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie: Chirurg/innen mit dieser Spezialisierung unterschieden sich von den anderen Fachzahnarztweiterbildungen durch eine doppelte Approbation in Human- und Zahnmedizin. Neben Operationen an Zähnen und Kiefer können sie auch Eingriffe aus dem HNO-Bereich, der Neurochirurgie oder auch der ästhetischen Chirurgie vornehmen. Diese Ausbildung zählt zu den anspruchsvolleren und dementsprechend klein ist die Anzahl der praktizierenden Ärzt/innen mit dieser Spezialisierung.

Fachzahnarzt/-ärztin im Gesundheitswesen: Diese Fachärzt/innen sind oft Angestellte in leitender Funktion in verschiedenen Behörden und beschäftigen sich mit der Zahngesundheit der Bevölkerung. Im Unterschied zu anderen Fachzahnarztausbildungen sind hier 18 Monate in einer Einrichtung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und etwa 400 theoretische Unterrichtsstunden an einer Akademie für öffentliches Gesundheitswesen verpflichtend. Nur etwa ein Prozent der Stellenausschreibungen richteten sich an Fachzahnärzt/innen mit dieser Ausbildung.

 

Fortbildungen in anderen Bereichen der Zahnmedizin

Neben den zahnärztlichen Facharztausbildungen und verschiedenen Masterstudiengängen gibt es selbstverständlich auch verschiedene (strukturierte) Fortbildungen, die von Fachhochschulen, Akademien oder anderen wissenschaftlichen Einrichtungen angeboten werden. Diese bieten Zahnärzt/innen die Möglichkeit einer unkomplizierten Erweiterung ihres Fachwissens, um das Angebot der jeweiligen Zahnarztpraxis zu erweitern, Tätigkeitsschwerpunkte zu definieren und sich auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen. Seit 2004 sind Vertragszahnärzt/innen verpflichtet, sich kontinuierlich fortzubilden und sogenannte Fortbildungspunkte zu sammeln. Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden insgesamt 125 dieser Punkte gesammelt und bei der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung nachgewiesen.

Angebote für derartige Fortbildungen finden sich in den Bereichen Implantologie, Parodontologie, Endodontologie, restaurative Zahnheilkunde oder auch allgemeine Zahnheilkunde. Zahnarztpraxen wie auch Kliniken oder Behandlungszentren haben ein Interesse, ein möglichst breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben, um ihre Patient/innen bestmöglich behandeln zu können. Daher lohnen sich auch diese weniger aufwändigen Fortbildungen für Zahnärzt/innen: auf das Fachgebiet der Implantologie wird in 41 Prozent der Stellenanzeigen Bezug genommen.